"Konzession erfüllt": ???

A.Masson

"Konzession erfüllt": ???

Beitrag von A.Masson » 9. Februar 2005 16:11

Heute heisst es im 20-Minuten-Blatt: Swisscom, Orange und Sunrise erfüllen die Bedingungen der UMTS-Konzession, nicht aber die spanische Firma 3G. Weiter unten: "Die UMTS-Konzession schrieb den Anbietern vor, bis Ende 2004 mindestens 50% der Schweizer Bevölkerung mit UMTS-Diensten zu versorgen."

Meines Wissens bietet aber nur Swisscom UMTS-Dienste an. Orange und Sunrise lassen ihre UMTS-Anlagen einfach leer laufen, bieten aber keine abonnierbaren Dienste an. So hat die Bevölkerung nur die Strahlenbelastung, aber keinen brauchbaren Nutzen davon.

Weiss jemand näheres ? Wenn es wirklich heisst, man müsse 50% der Bevölkerung Dienste anbieten, aber das stimmt gar nicht, wieso kann denn die Wahrheit ins Gegenteil verkehrt werden ? Hat jemand die UMTS-Konzessionen einmal im Wortlaut gesehen ? Einzelne Testkunden der eigenen Firma, die vielleicht schon UMTS empfangen dürfen, können doch sicher nicht verwechselt werden mit 50% der ganzen Bevölkerung ?? - Vielen Dank für klärende Worte. Ich bin schon viel gewohnt an Verdrehungen... aber jedes mal staune ich wieder neu, wie unsorgfältig, aber "professionell" alles ganz cool ins Gegenteil verkehrt wird.

A. Masson

mips

Re:

Beitrag von mips » 9. Februar 2005 20:11

Ich wage es in Frage zustellen, dass eine 50% Gebietsabdeckung von irgend einem Anbieter realisiert ist. Abdeckung bedeutet in meinen Augen, dass in dem Gebiet, das als abgedeckt gelten soll, die Dienstleistungen funktionieren und dies im versprochenen Leistungsumfang (volle Datenrate).

Roland Steiger

Re: UMTS Konzession

Beitrag von Roland Steiger » 10. Februar 2005 07:49

Am besten wäre es wenn man sich die offizielle Mitteilung des BAKOM durchliest: http://www.bakom.ch/de/medieninfo/medie ... index.html

Dort heisst es: "Hierzu erwartete das Bundesamt für Kommunikation von den Konzessionären als minimales Dienstangebot die Bereitstellung eines UMTS-Sprachdienstes."
"Volle Datenrate" ist offensichtilich nicht gefordert.

Die Swisscom macht mit UMTS Werbung, bei sunrise kann man scheinbar UMTS abonieren wenn man sich dort meldet: http://mobile.sunrise.ch/business/bus_umts.htm
Bei Orange hingegen habe ich nichts gefunden.

Gruss
Roland S.

Mike S.

Re:

Beitrag von Mike S. » 10. Februar 2005 09:19

Die Verdrehung liegt vermutlich darin, dass nur ein Sprachdienst verlangt wurde, also kein Multimedia, welches viel grössere Übertragungsraten braucht. Bitte korrigiert mich, wenn ich damit falsch liege:

http://www.bakom.ch/de/medieninfo/medie ... index.html

'Gemäss UMTS-Konzession ist ein Konzessionär dazu verpflichtet, bis Ende 2004 mindestens 50% der Schweizer Bevölkerung mit UMTS-Diensten auf der Basis einer eigenen Netzinfrastruktur zu versorgen. Hierzu erwartete das Bundesamt für Kommunikation von den Konzessionären als minimales Dienstangebot die Bereitstellung eines UMTS-Sprachdienstes.'

Es ist so formuliert, dass die Medien die 50 Prozent bringen, und das mit dem Sprachdienst weglassen.

Das BAKOM stützte sich zur Ermittlung auf die Angaben der Betreiber und hat einzelne Stichproben gemacht. Das steht hier zwischen den Zeilen: 'Das BAKOM hat zur Ermittlung der erreichten Abdeckung die Angaben der Betreiber nachgerechnet, eigene Berechungen aufgrund der Infrastrukturangaben angestellt und punktuell die Resultate mittels Fahrmessungen verifiziert.' Man lernt langsam, diese Texte zu lesen ;)

mips

Also alles nur rein theoretisch!

Beitrag von mips » 10. Februar 2005 12:51

.... und keine Versuche ob bei diesen minimalen Empfangsbedingungen die nun in den Handel kommenden UMTS-Handys auch wirklich funktionieren?

Hans Andreas Bühlmann

Re:

Beitrag von Hans Andreas Bühlmann » 10. Februar 2005 19:20

Ich verstehe es so; Bis ende 2004 muss:
a) die Infrastruktur errichtet sein, sodass 50% der Bevölkerung mit UMTS erreichbar ist
und
b) mindestens ein Sprachdienst aufgeschaltet und abonnierbar sein.

Mehr als nur Sprache anzubieten ist erlaubt. Wenn die Betreiber aber keinen Sprachdienst oder keine Abos anbieten, wird die Konzession verletzt.

Ob die Bevölkerung das UMTS Angebot nutzt, oder ob die UMTS_Sender leer laufen, das steht dann auf einem ganz anderen Blatt.

Wie das nun mit Sunrise und Orange steht, weiss ich nicht. Selbst das BAKOM müsste das ja die Angaben der Betreiber jeweils konkret nachprüfen. Wie seriös das gemacht wird, fragt sich! Ich denke, zu der Medienmiteilung des BAKOM sind schon ein paar Fragezeichen zu setzen.

Ich habe mich schon um die Konzessionen im Original bemüht. Bis jetzt hatte ich da aber keinen Erfolg. Das BAKOM macht da auf stur.

Zumindest gibt es Musterkonzessionen zum Einsehen:
http://www.bakom.ch/de/telekommunikatio ... index.html



Hans A. Bühlmann

Elisabeth Buchs

Re: UMTS

Beitrag von Elisabeth Buchs » 10. Februar 2005 19:24

Mir sagte kürzlich jemand, der es wissen sollte, eine nicht genutzte UMTS-Antenne habe 40 % der Leistung einer voll ausgelasteten. Stimmen diese Angaben?

Mit freundlichen Grüssen

Elisabeth Buchs

A.Masson

UMTS-Gespräche nicht möglich

Beitrag von A.Masson » 11. Februar 2005 14:59

Heute bin ich in je eine Vertretung von Orange und von Sunrise gegangen und habe gefragt, ob man bereits über UMTS Gespräche führen könne. Es waren Vertretungen ausschliesslich dieser Firmen, also keine Sammel-, Discount- oder Warenhausverkäufer.

Antwort Orange: "Nein, vielleicht ab Mitte Jahr".
Antwort Sunrise: "Für Privatpersonen erst ab Mitte Jahr. Gegenwärtig ist es nur für ausgewählte Geschäftskunden möglich".

Hier im Kanton Zug laufen bereits Orange- und auch Sunrise-Antennen, das Gebiet wäre also "abgedeckt". Es gibt aber keine abonnierbaren Dienste. Selbst Interessenten werden abgewiesen.

Liebes BAKOM, Sie lesen diese Beiträge ja sicher auch. Können Sie dem verdutzten Publikum bitte erklären, wieso die Bestimmungen der Konzession in Ihren Augen erfüllt sind, da sie doch ganz augenscheinlich nicht erfüllt sind ? Wie erklärt sich der Widerspruch ? Vielen Dank für Ihre klärenden Worte.

A.Masson

Evi

Re: UMTS-Gespräche nicht möglich

Beitrag von Evi » 11. Februar 2005 20:41

Hallo Herr Masson

Es gibt noch was anderes, was des Nachdenkens wert ist:

Wieso wird denn plötzlich mit solcher Eile derzeit die TNO-Studie an der Uni Zürich repliziert?

Warum wird der Versuch nicht nur mit 1 V/m, sondern auch mit 10V/m gemacht?

Kann es sein, dass die Betreiber eine Erhöhung der Sendeleistung für UMTS fordern, weil die jetzige nicht ausreicht?

Kann es sein, dass sie hoffen, bis Mitte Jahr seien die Ergebnisse der Studie da und damit freie Bahn?

Kann es sein, dass die Betreiber das geforderte UMTS-Moratorium fürchten, weil dann alle schönen Pläne zerrinnen können?

Kann es sein, dass das BAKOM das alles weiss, aber das Volk im Unklaren lässt?

Diese Punkte sind einer Überlegung wert und es sollte nicht verwundern, wenn es am Ende genauso heraus kommt. Vielleicht kommen wir dann auf die hier gestellten Fragen zurück.

Mit besten Grüssen

Evi

Daniel

Re: Gutes Stichwort und noch mehr Fragen

Beitrag von Daniel » 12. Februar 2005 12:23

Dazu fällt mir auch noch was ein und ich möchte die Gedanken ein wenig weiterspinnen.

Kann es sein, dass die Konzessionen, soweit ich weiss, nicht schon viel früher hätten erfüllt sein sollen und die Frist ohnehin schon verlängert wurde?

Kann es sein, dass sich das BAKOM nur deswegen so still hält, weil es sonst zugeben müsste, dass das bis heute immer noch nicht der Fall ist?

Kann es sein, dass die Konzessionen sonst ein weiteres Mal verlängert werden müssten, was aber schon langsam peinlich ist?

Kann (darf) es sein, dass das Volk ein weiteres Mal hinters Licht geführt wird, weil einmal mehr auf Zeitgewinn geschafft wird?

Kann es sein, dass ein normaler Bürger auch so viele Sonderrechte bekäme?

Kann (darf) es sein, dass die reiche und mächtige Industrie diese Sonderrechte stets bekommt und mit dem Segen der Politik Narrenfreiheit geniesst?

Kann (darf) es sein, dass das Volk die Fehler, welche die andern dauernd machen, ausbaden muss?

Wer gibt auf diese Fragen die richtigen Antworten?

Freundliche Grüsse

Daniel

Mike S.

Idee!?

Beitrag von Mike S. » 14. Februar 2005 16:30

OK, das Bakom meldet also, dass Swisscom, Orange und Sunrise ihre Lizenzen behalten dürfen, weil sie die Bedingungen erfüllt hätten, und gegen die spanische Gesellschaft wird ein Verfahren eröffnet, weil sie die Bed. nicht erfüllt haben.

DUnd das Bakom meldet auch... http://www.bakom.ch/de/medieninfo/medie ... index.html
... dass man sich für dieses Ergebnis auf die Unterlagen der Mobilfunkbetreiber gestützt und man ein paar Stichproben gemacht habe.

Wie wäre es nun, wenn...
... Das Bakom den Lizenznehmern dabei etwas unter die Arme gegriffen hätte
... Die Bedingungen in Tat & Wahrheit gar nicht eingehalten würden
... Man dies nachweisen könnte :)

---> Dann müsste das Bakom gegen die Mobilfunkbetreiber ein Verfahren einleiten und ihnen die UMTS-Lizenzen entziehen! Das wäre sogar relativ elegant, weil dann der Bund die Lizenzgebühr nicht rückerstatten müsste.

Frage: Kann man die Unterlagen, die der Bakom zur Abklärung zur Verfügung gestellt wurden, öffentlich einsehen? Oder wenigstens anfordern? Ist in Gigaherz-Kreisen genug Know-How vorhanden, um die Sache nachzurechnen? Wenn ja, warum nicht? ;)

mips

Re: Idee!?

Beitrag von mips » 14. Februar 2005 19:04

Das BAKOM wird sich hüten die Unterlagen herauszugeben.

Ich denke die spanische Firma 3G hätte genug Eigeninteresse an einem Nachweis, dass die drei anderen Mitbewerber die Konssesionsbedingungen auch tasächlich erfüllt hätten.

Mit dem Ausscheiden von 3G wird der Staat versuchen die 4. Lizenz wieder anderweitig zu verscherbeln.


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