© Berner Zeitung; 10.09.2005; Seite 25
BZ-EM-Aufschlagseite
Burgdorf
Natelantennen sorgen für Ärger
Die Swisscom will auf dem Areal der Burgdorfer Landi eine Kommunikationsanlage errichten. Leute aus der Anwohnerschaft wehren sich; sie befürchten gesundheitlichen Folgen und verweisen dabei auf Studien.
UMTS-Mobilfunkantennen dienen nicht nur dem Telefonieren; sie machens auch möglich, dass man das Handy als Fernseher oder Live-Übertragungskamera verwenden kann. Drei solcher Antennen will die Swisscom nun an der Fassade der Burgdorfer Landi installieren - sehr zum Missfallen etlicher Anwohnerinnen und Anwohner, die gegen dieses Vorhaben Einsprache erheben.
Tabula rasa in Spanien
An vorderster Front gegen die Antennen kämpfen Brigitte und Peter Laeng, die in Nachbarschaft zur Landi an der Wynigenstrasse wohnen. Die Gefährlichkeit der UMTS-Strahlung sei erwiesen, sagen sie. Das Spektrum von möglichen Schädigungen umfasse Gelenk- und Knochenschmerzen, Hautausschläge, Augenleiden, Haarausfall, Krebs, Hirntumore, Leukämie und Kinderleukämie. Es gebe genügend ausländische Studien, die dies bewiesen, wenngleich Schweizer Studien im Moment noch das Gegenteil behaupteten. «In Spanien hat man 2000 Mobilfunkantennen in der Nähe von Schulhäusern entfernt, weil die Kinderleukämie in diesen Gegenden stark angestiegen ist», sagt Peter Laeng. Und ärgert sich: «Uns mutet man zu, dass wir uns dieser Strahlung aussetzen.»
Mit einer Einsprache gegen das Bauvorhaben lassen es Laengs nicht bewenden: Zusammen mit vier weiteren Projektgegnern ersuchen sie den Gemeinderat brieflich, er solle generell keine UMTS-Antennen in Wohngebieten oder in der Nähe von Schulhäusern zulassen. Dabei verweisen die Unterzeichnenden auf das Pestalozzischulhaus, das Gotthelfschulhaus, den Kindergarten Kronenhalde und den Schulpavillon, die alle im näheren Umkreis der Landi stehen. Andere Gemeinden hätten bereits beschlossen, keine weiteren Antennen mehr zu bewilligen, so Muri, Stäfa, Langenthal oder Zollikofen.
«Nicht explizit bewiesen»
Bisher gebe es keine einzige wissenschaftliche Untersuchung, die den Zusammenhang von Krebserkrankungen und elektromagnetischer Strahlung explizit beweise, sagt Swisscom-Pressesprecher Josef Frey. Selbstverständlich halte das Projekt in Burgdorf die vorgeschriebenen Grenzwerte ein, und gemäss dem Vorsorgeprinzip arbeite die Swisscom Mobile in stark besiedelten Gebieten zusätzlich mit Werten, die deutlich unter dem gesetzlich zulässigen Maximum lägen.
Und der Burgdorfer Gemeinderat? Könnte er die Errichtung von UMTS-Anlagen auf Gemeindegebiet überhaupt generell verbieten? Nein - eine gesetzliche Grundlage für UMTS-Moratorien gebe es nicht, sagt Ulrich Steiner, Leiter der Burgdorfer Baudirektion. Baugesuche für Natelantennen würden einzig in baurechtlicher und ortsbildschützerischer Hinsicht beurteilt - obwohl, wie Steiner einräumt, «manche Menschen auf diese Strahlung offenbar empfindlich reagieren».
Hans Herrmann
Die vorgeschichte
Schon einmal abgeblitzt
Die Swisscom wollte bereits vor drei Jahren eine neue Mobilfunkanlage auf dem Gebäude der Burgdorfer Landi aufstellen. Die Stadt wies dieses Baugesuch aus ästhetischen Überlegungen jedoch ab. In der Folge blitzte die Swisscom auch bei der Baudirektion des Kantons Bern und vor Verwaltungsgericht ab. Nun legt das Unternehmen ein Baugesuch auf, das den ortsbildschützerischen Aspekt berücksichtigt; die drei UMTS-Antennen sollen so montiert werden, dass sie den Gebäudekomplex der Landi nicht überragen. heb
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© Berner Zeitung; 10.09.2005; Seite 28
BZ-Region Bern
Gemeindeparlament Ostermundigen
Ja zur Volksmotion gegen «Wildwuchs von Antennen»
Der Gemeinderat von Ostermundigen riet dem Gemeindeparlament davon ab, die Volksmotion «gegen Wildwuchs von Natelantennen» zu überweisen. Vergebens: Das Parlament stimmte mit grossem Mehr zu.
875 Ostermundigerinnen und Ostermundiger haben die überparteiliche Volksmotion «betreffend Wildwuchs von Natelantennen» unterzeichnet. «Der Gemeinderat wird beauftragt, die bis an die äussersten Grenzen gehenden Mobilfunkanbieter in Ostermundigen zu bremsen», lautet eine der Forderungen. Eine weitere will, dass der Gemeinderat keine Baubewilligungen mehr für Mobilfunkantennen erteilt, bis er Vorschriften für eine Planung erlassen und ein Antennenreglement ausgearbeitet hat. Das Parlament hat die Motion überwiesen, obwohl das Bundesgericht in ähnlichen Fällen - etwa in Schwarzenburg - den Mobilfunkbetreibern trotzdem erlaubte, Antennen zu bauen.
Gemeinderat dagegen
Gemeinderätin Florence Martinoia (SP) erklärte, der Gemeinderat sei bereit, die Motion als Postulat entgegenzunehmen. Dieses wäre für die Exekutive unverbindlich. Martinoia argumentierte auch, dass die Gemeinde seit 1988 mit allen Mobilfunkanbietern Koordinationsgespräche führe und regelmässig Messungen machen lasse «Dabei hat sich gezeigt, dass die Grenzwerte nicht überschritten werden», so die Gemeinderätin. Gegen die Volksmotion sei der Gemeinderat, weil diese nicht den Verordnungen des Bundes entspreche. Gemäss mehreren Bundesgerichtsentscheiden könne eine Gemeinde nicht eigenmächtig ein Moratorium für Mobilfunkantennen verhängen. «Ein eigenes kommunales Reglement zu Mobilfunkantennen wäre nicht rechtsgültig», betonte Florence Martinoia und betonte, dass der Gemeinderat durchaus bereit sei, jeden Spielraum zu nutzen. Er wolle Einfluss nehmen und Gespräche mit dem Kanton aufzunehmen, wenn möglich mit anderen Gemeinden, um mehr Gewicht zu haben. Auch die Messungen wolle man weiterzuführen.
Parlament blieb hart
Walter Bruderer (Forum) findet die Motion zu wichtig, um sie in ein Postulat umzuwandeln. Theo Lutz (SP) erinnert an die Debatte, die das Gemeindeparlament bereits vor zwei Jahren geführt hatte. Auch da ging es schon darum, ein Reglement für Mobilfunkantennen auszuarbeiten. «Es gilt jetzt, diese Volksmotion ernst zu nehmen und zu überweisen», sagte Lutz. Die Unterschrift von 875 Bürgerinnen und Bürgern könne nicht einfach ignoriert werden. Ihre Ängste vor Strahlungen müssten ernst genommen werden.
Vorbehalte gegen den Inhalt der Motion äusserte Heinz Gfeller (FDP). Der Elektroingenieur bezweifelte, dass die Stärke der Strahlung, die von den Antennen ausgehe, mit der Distanz zunehme. Aber Luzia Müller (SVP) stellte die Richtigkeit und Seriosität der in Ostermundigen gemachten Strahlenmessungen in Frage. «Werden die Werte wirklich nirgends überschritten?», zweifelte sie.
Nach intensiver Debatte wurde die Volksmotion dem Gemeinderat mit 21 Ja überwiesen. 6 Parlamentarier stimmten dagegen, 6 enthielten sich der Stimme. Laura Fehlmann
Urs Baumann
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Burgdorf: Natelantennen sorgen für Ärger/Gemeindeparlament O
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Gigaherz
Re: Burgdorf: Natelantennen sorgen für Ärger/Gemeindeparlame
Dafür, dass The Future's Black auch am Sonntag arbeitet und die Forumleser mit wichtigen Informationen versorgt, dankt recht herzlich
Gigaherz und die Forumsadministration
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