genügt Teil-Abschirmung eines Zimmers ?

Willi

genügt Teil-Abschirmung eines Zimmers ?

Beitrag von Willi » 25. September 2005 00:34

Hallo Gigaherz

Ich habe mal gehört, zur Abschirmung gegen HF müsse man einen kompletten Faraday-Käfig haben, also ein Zimmer ganz "einhüllen" mit Abschirm-Folien. Frage: Ist das wirklich nötig, wenn die Strahlung von einer Punktquelle ausgeht? (Z.B. Nachbar-DECT in der Wohnung darüber, ein Zimmer weiter. Oder Handy-Basisstation in flachem Einfallwinkel zur Fensterfront.) Es sollte doch genügen, nur die eine Zimmerwand in dieser Richtung und die Zimmerdecke, mit der Folie einzukleiden. Ganzraum-Einhüllung wäre nicht praktisch, da das Zimmer schon voll möbliert ist, ausserdem ist die Folie nicht billig...

Besten Dank und mfG,
Willi

Conrad

Re: genügt Teil-Abschirmung eines Zimmers ?

Beitrag von Conrad » 25. September 2005 11:23

Ein einfaches Gedankenspiel Willi:

Stellen Sie sich vor, alle Wände Decken und Böden Ihrer Wohnung wären aus Milchglas. Die DECT-Telefone Ihrer Nachbarn und die Mobilfunkmasten im Freien wären ekelhaft helle, flackernde Lichquellen, die alle mit ihrem grellen Licht Sie am Schlafen hindern wollen. Die DECT- Telefon strahlen praktisch kugelförmig ab, die Mobilfunkmasten wie Flutscheinwerfer.

Sie haben Alubahnen, mit denen Sie sich schützen können. Vergessen Sie aber nicht, dort wo die Alubahn aufhört, streut seitlich das Licht vorbeit. Dummerweise hat das Alu auch noch die Eigenschaft, Licht, das von der gegenüberliegenden Seite kommt zu reflektieren, also können Sie bei ungünstiger Anordung sogar von Ihrer eigenen Abschirmung geblendet werden. Eine schwarze Folie, die alles Licht schlucken würde, gibt es leider bei diesem Gedankenspiel nicht.

Am sichersten ist es für Sie, alle Wande, Decken und Böden mit Aluminium einzukleiden, dann wird es in Ihrem Raum vollkommen dunkel. Aber bei geschickter Anordung Ihrer Folien können Sie auch mit einer Teilabschirmung ein relativ gutes Ergebnis erreichen. So ungefähr können Sie sich die Ausbreitung der elektromagnetischen Wellen vorstellen.

Was ich damit sagen will, um ein Messgerät (am besten mit Richtantenne), Kostenpunkt mindestens 300 Euro kommen Sie nicht herum, oder Sie ziehen besser gleich einen Experten zu Rate.

Die Preiswerteste und schnellste Lösung ist natürlich ein Schlafbaldachin, damit haben Sie dann rundherum Schutz. Allerdings scheint das auch nicht jedem auf die Dauer zu behagen. Langfristig ist ein Umzug die bessere Alternative.

mips

Re: genügt Teil-Abschirmung eines Zimmers ?

Beitrag von mips » 25. September 2005 11:58

Abschirmen von HF ist theoretisch einfach, in der Praxis ist man mit einigen Tücken und "Nebenwirkungen" konfrontiert. Zum einen schirmen sie mit einem faradyschen Käfig nicht nur technische EMF ab sondern auch Sferics, zum andern kann durch zwei paralle Abschirmflächen ein Mikrowellenresonator entstehen.

Bei Sichtverbindung zu einem Sender kommt mit Bestimmtheit der gösste Anteil der Belastung aus der Richtung der Anenne. Besonders im dicht bebautem Gebiet ist oft mit starken indirekten Einstrahlungen gerechnet werden, die von der einseitigen Abschirmung in den Raum zurückreflektiert werden kann.
Wenn man die frontale Abschirmung seitlich nicht auch ein wenig weiterführt, ist durch die Beugung noch eine ganz ansehnliche einstrahlung möglich.

Mit Abschirmen kann man auch die Situation verschlimmbessern. Abschirmen gehört deshalb in die Hände von Profis.

Evi

Re: genügt Teil-Abschirmung eines Zimmers ?

Beitrag von Evi » 25. September 2005 12:06

An Willi

Ich habe noch eine andere, wahrscheinlich einfachere Idee:

Wenn Sie ein DECT-Telefon in der Nachbarschaft vermuten, so wäre es doch sinnvoll, einmal mit dem Nachbarn zu reden, ob er nicht bereit wäre, darauf zu verzichten und ein anderes Telefon anzuschaffen. Es gibt mittlerweile schon welche, die nur beim Telefonieren, nicht aber rund um die Uhr strahlen.

Zur Illustration könnten Sie ihm mit einem Messgerät das DECT hörbar machen. Unserer Erfahrung nach macht dies vielen Leuten Eindruck. Kommt noch hinzu, dass der Nachbar ja auch selbst von der Strahlung des DECT-Telefons betroffen ist und möglicherweise bis jetzt noch gar nichts davon gewusst hat. Umso eher wird er sich bereit erklären, auf diese Strahlenschleuder zu verzichten.

Ich finde es unverhältnismässig, einen Haufen Geld für Abschirmung auszugeben, die, wie andere, technikkundige Forumsleser schon beschreiben, gar nicht bewirken, was man erwartet.

Freundliche Grüsse

Evi

charles claessens

Re: genügt Teil-Abschirmung eines Zimmers ?

Beitrag von charles claessens » 25. September 2005 12:09

Hallo Willi,

meine persönliche Meinung dazu.

Ich halte es für nicht richtig den ganzen Raum abzuschirmen, weil man dann auch die notwendige kosmische Strahlung sperrt.

Zweitens gibt es keine 100 % Abschirmung; also da kommt noch immer etwas durch. Und dies wird von die gegenüberliegende Seite reflektiert.

Also, wenn Sie genau wissen von welche Seite die Störungsquelle kommt, genügt es nur diesen Wand abzuschirmen.
Ob dies richtig ist, kann man nur mittels ein HF Messgerät feststellen.

Als Abschirmmaterial empfehle ich um NICHT Aluminium zu nehem, weil dies bestimmte andere Nachteile hat.
Am besten nehmen Sie eine Farbe (die geerdet sein muss) und meistens um die 40 dB dämpfen (diese absorbieren).
Preistechnisch gesehen gibt es auch Gewebe, die die Hälfte kosten, aber auch nur 20 dB dämpfen, was aber für ein DECT des Nachbarn reichen würde.

Charlers Claessens

charles claessens

Re: genügt Teil-Abschirmung eines Zimmers ?

Beitrag von charles claessens » 25. September 2005 12:35

Hallo Willi,

ich musste feststellen, dass Sie hier eine normale Frage gestellt haben, worauf Sie auch normale Antworten bekommen.

Ich verstehe aber nich weshalb Sie ins Forum Nachbarland die gleiche Frage gestellt haben.
Wenn Sie nur ein paar Postings da gelesen hätten, könnten Sie wissen dass Sie dort als dumm dargestellt werden weil Sie sich für einen DECT fürchten.
Es gibt dort Leuten, die mit Formel beweisen möchten dass ein Dect überhaupt nicht strahlt unmd unschädlich sei.

Als Baubiologe betrachte ich die DECT Telefone und Internet Router als die schlimmste Verursacher von Krankheitssymptomen.

Ich schreibe auch ins andere Forum, weil der arglose Leser dort nur eingebildet werden soll, dass es keine Elektrosensibilität geben kann, und das alles Einbildung und Angst ist.

Ich muss aber feststellen, dass viele Elektrosensible keine Ahnung haben was eine Antenne ist und wie sie aussieht.

Und die Kühe, Schweine, Bienen und Vögel sollen auch alle Angst haben die falsche fernsehprogramme sehen und die falsche Zeitungen lesen.

Ich habe gesehen wie ein Kanarievogel weigert zu singen wenn der Käfig nicht abgeschirmt ist.
Ein Kanarievogel mit Einbildung ????

Jemand aus Berlin hat mir mal berichtet, das er drei Gruppen von Mäuse in seine Wohnung plaziert hat.
Am Fenster, in die Mitte und an die Hinterseite der Wohnung.
Ich will euch ersparen was mit diesen Mäuse passiert ist.

Übrigens, ich bin gegen Baldakinen.
Vielleicht lässt der Nachbarn sich überrreden sein DECT durch ein analoges zu ersetzen. Ein Schlauch oder ein Kästchen ist auch nicht *das Gelbe vom Ei* weil die Longitudinalwellen da trotzdem durchgehen.


Charles Claessens

Willi

Re: genügt Teil-Abschirmung eines Zimmers ?

Beitrag von Willi » 25. September 2005 14:22

Hallo alle,

vielen Dank für die prompten Antworten.

@Conrad:
Ihr Vergleich nimmt aber an, dass es Tag ist? Dann zählt das Licht von der Sonne (das von der ganzen Atmosphäre "gebeugt" wird), nicht von der nahen Punktquelle. In der Nacht wäre das Zimmer jedoch sehr dunkel, wenn man nur die Wand in Richtung der Punktquelle abschirmt. Es gibt nämlich in Luft nur minimale Lichtbeugung... Ausserdem schirmen ja die normalen Wände auch schon um 10 dB ab.

@Evi:
Sicher wäre das ideal, aber der Nachbar ist zu keiner Änderung bereit, nichtmal seine Basisstation abschirmen lassen will er, geschweige denn ein anderes Gerät verwenden. Es gibt leider so dumme und gemeine Leute, und das sind genau die Kunden der Strahlenindustrie. Die Basisstation steht an seinem Schreibtisch, wo er stundenlang sitzt, aber er "spürt nichts". Ich habe es ihm mit dem Messgerät vorgeführt, aber er sagte naiv: "Wenn das schädlich wäre, dürften sie es doch nicht verkaufen!" Als ich antwortete: "Ja klar, so wie Zigaretten", schickte er mich aus seiner Wohnung.
Der Sadist hatte uns schon früher auf dem Kicker, es ist ihm ganz recht wenn wir leiden. Habe mich schon bei Anwälten erkundigt, die helfen nichtmal wenn das Opfer Herzanfälle von dem E-Smog hat! Die fordern immer nur Beweise vom Opfer und helfen dem Sadist (und der Industrie). Ditto beim UMTS-Sendemast. Natürlich ist es "unverhältnismässig, einen Haufen Geld für Abschirmung auszugeben", aber etwas anderes wird mir wohl da nicht übrigbleiben.

@Charles:
Für die Farbe ist es leider zu spät, wegen der Möblierung, und wahrscheinlich würde ich die Chemie eh nicht vertragen. Ich dachte an das Edelstahl-Gitternetz (5mm Maschenweite, 20dB). Gibt es auch erschwingliche durchsichtige Folien fürs Fenster, oder geht das Gitternetz da auch?
Betr. Kanarienvogel: Ist sein Käfig kein Faraday-Käfig? :-)

Freundliche Grüsse,
Willi

mips

Re: genügt Teil-Abschirmung eines Zimmers ?

Beitrag von mips » 25. September 2005 18:46

Es gibt Abschirmfarbe die baubiologisch gut vertretbar sind. Abschirmfarbe reflektiert zur Hauptsache die Mikrowelle und absorbiert, auch wenn sie schwarz ist, kaum was lieber Charles. Am ehesten Absorbieren sehr porenreiche Isoliersteine, die aber mit den Nachbarsteinen kraftschlüssig verbunden sind (keine Fugen) und oder einige Centimeter chaotisch verlaufende Kohlenfaser, nicht Kohlenfasergewebe. Auch Lehmbauten oder Strohballenhäuser weisen eine relativ hohe Absorbtion auf, wenn sie eine gewisse Feuchte besitzen.

Drahtgitter mit einer Maschweite von 5mm eignen sich nicht zur Abschirmung von GSM1800 und UMTS, die Maschenweite sollte dafür unter 3mm sein.

Mikrowelle ist wesendlich langwelliger als Licht und je langwelliger um so stärker ist die Beugung!

Conrad

Re: genügt Teil-Abschirmung eines Zimmers ?

Beitrag von Conrad » 25. September 2005 22:20

@Willi:
das Gedankenspiel findet nur nachts mit künstlichen Lichtquellen statt
;o). Sie müssen sich eben ein Milchglas vorstellen das 10 dB Dämpfung hat.

@Charles:
Ich würde auch gerne wissen mit welche technisch einfache Lösung tatsächlich Mikrowellenstrahlung absorbiert.
Mir sind nur die Schaumstoffpyramiden mit Graphit bekannt, die für Labors verwendet werden. Das ist weder billig noch wohnlich.

Willi

Re: genügt Teil-Abschirmung eines Zimmers ?

Beitrag von Willi » 25. September 2005 23:58

Hallo Mips,

> Drahtgitter mit einer Maschweite von 5mm eignen sich nicht zur
> Abschirmung von GSM1800 und UMTS, die Maschenweite sollte dafür
> unter 3mm sein.

Warum wirbt der Hersteller des 5mm-Netzes dann mit Abschirmung bis in den GHz-Bereich? siehe Grafik
http://www.elektrosmog.de/images/Grafik3.gif
(die unterste Kurve)

Also ein Fall fürs UWG ??

Und wo gibt's Maschengitter mit unter 3mm Maschenweite, die noch transparent sind?

Ich glaube die Abschirmung ist eh nur ansatzweise gemeint... für totale Abschirmung müsste nämlich die Maschenweite = 1/4 der Wellenlänge sein, also bei GSM1800, DECT und UMTS so etwa 200 NANOmeter = 0.0002 Millimeter... Also sind sowohl 3mm als auch 5mm noch um Faktor 10'000 von echter Abschirmung entfernt, aber gut, je kleiner desto besser, nur sieht man halt dann nicht mehr viel durch die Fenster...

Gruss,
Willi

charles claessens

Re: genügt Teil-Abschirmung eines Zimmers ?

Beitrag von charles claessens » 26. September 2005 00:33

Hallo,

es gibt diese Fensterfolien.

Sie bestehen aus eine Kunststoff Folie, wo man Metall aufgedampft hat. Das sind nur winzig kleine Partikeln, und man kann noch immer durch die Fensterscheibe hinaus schauen, sei es ein wenig dunkler.

Die Fensterfolie braucht man nicht zu erden.
Sie reflektiert teilweise, und absorbiert auch. Die HF Strahlung wird zum teil in Wärme umgesetzt. Das kann man feststellen, weil die Folie und die Fensterscheibe warm werden.
Wenn man sie probeweise erdet, wird sie weniger warm.

Bei eine Abschirmfarbe war man vergessen die Erdung an zu schliesen.
Die Abschirmung gegen ein DECT Telefon hat dann nicht geklappt.
Als man dann bemerkt hat das die Erdung nicht angeschlossen war, hat man sie sofort angeschlossen, und die Abschirmung hat richtig, wie erwartet, funktioniert.
Also, wenn die Farbe nur reflektieren soll, wieso hat die Erdung dann alles abgeleitet?

Es gibt Baubiologen, die prinzipiell alle Abschirmungen erden.
Und nicht nur wegen die Ankupplung von niederfrequente Feldern.

Es gibt auch verschiedene Abschirmfarben: Mit Kohlenfasern, und mit Silber-Kupfer, usw.

Übrigens finde ich die Abschirmgrösse in % irreführend: 99,999 %.
Ich preferiere in dB, 20 oder 40 oder 50 dB sagt mir mehr.
100 % Abschirmung gibt es nicht.
Ein Teil der Strahlung wird reflektiert, ein Teil absorbiert und ein Teil wird durchgelassen.
Und das Teil was durchgelassen wird, kann reflektiert werden.

Charles Claessens

mips

Re: genügt Teil-Abschirmung eines Zimmers ?

Beitrag von mips » 26. September 2005 12:50

GSM_E, DECT, UMTS haben eine Wellenlänge um die 15cm
Fliegengitter aus Chronnickelstahl oder Alu- Draht haben eine Maschenweite unter 2mm.

Gruss Mips

Hans-U. Jakob

Re: genügt Teil-Abschirmung eines Zimmers ?

Beitrag von Hans-U. Jakob » 26. September 2005 17:08

Auch Teilabschirmungen können sehr sinnvoll sein.
Aber: Es heisst sehr aufpassen, dass nicht ein unbekannter oder neuer Sender plötzlich von der Rückseite her einstrahlt. Denn dann wirkt die Abschirmung als Refloktor (wie ein Spiegel) und verschlimmert die Situation.
Fazit: Teilabschirmungen müssen leicht rückbaubar sein.
und Teilabschirmungen müssen stets mit einem Messgerät überprüft werden. Das kann auch ein billiges, ungenaues Gerät sein, denn wir wollen ja nur die Werte vorher/nacher ermitteln. Und diese Messwerte weisen vorher wie nachher denselben Messfehler auf.
Und das zuverässigste Messgerät ist immer noch der sensible Mensch selber.
Eib fröhliches Experimentieren wünscht, Hans-U. Jakob

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